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Frau Cornelia Sens von der Zeitung „KFO Nachrichten“ Oemus Media AG interviewt Dr. Gerhard Polzar zum Thema “MRT-Diagnostik des Kiefergelenks”
KN: Welchen Stellenwert messen Sie der MRT-Diagnostik gegenüber allen anderen
diagnostischen Verfahren des Kiefergelenkes zu?
Dr. Polzar: Die MRT Diagnostik ist die einzige exakte Möglichkeit bei Patienten mit CMD-Syndrom (Cranio mandibuläre
Dysfunktion), die anatomischen Strukturen zu bestimmen und festzustellen ob durch die anatomischen und funktionellen Störungen die Beschwerden des Patienten ausgelöst werden.
Über eine Panoramaschichtaufnahme kann nur begrenzt eine Aussage über die Form des Caput manibulae getroffen werden, da die Condylarachse bei jedem Patienten sehr unterschiedlich verläuft. Die
fehlende Einstellungsmöglichkeit auf die Condylarachse führt zu sehr unterschiedlichen radiologischen Abbildungen, die teilweise arthritische
Prozesse vortäuschen können. Außerdem kann damit nicht der Diskus und die Weichteile erkannt werden.
Röntgenologische Aufnahmen nach Schüller sollten heutzutage nicht mehr angewendet werden, da sie mit einer sehr hohen Strahlenbelastung verbunden sind und der Aussagewert dieser
Röntgenaufnahmen zu gering ist.
KN: Können Sie Zuordnungen machen, welches Verfahren für welche Aufgabenstellung Ihrer Erfahrung nach die grösste
Effizienz zeigt?
Dr. Polzar: Bei jeder größeren prothetischen Versorgung, bei jeder Neuaufnahme eines Patienten in der Praxis, und bei
jeder kieferorthopädischen Behandlung sollte zu Beginn als Übersicht
eine Panoramaschichtaufnahme angefertigt werden und eine manuelle Funktionsdiagnostik nach Prof. Bumann, Dr. Sabbagh oder Dr. Polzar erfolgen. Die Panoramaschichtaufnahme gibt einen Überblick bei dem schwerwiegende skelettale Veränderungen erkannt werden können. Eine exakte Diagnostik ist hiermit jedoch nicht möglich. Die manuelle Funktionsdiagnostik zeigt weiterhin sehr effektiv, ob funktionelle Störungen des Kauorgans vorhanden sind. Partielle Diskusverlagerung und subtotale Diskusverlagerung mit Reposition, können bei geübtem Behandler diagnostisch sehr gut verifiziert werden. Weitgehend anatomische Störungen, die die Funktion des Kauorgans beeinträchtigen oder auch subklinisch latent vorhanden sind, können nur mit der MRT- Diagnostik exakt bestimmt werden. Sonografische Aufnahmen entsprechen leider noch dem Lesen von Befunden im Kaffeesatz und gelten als Entwicklungsstadium vielleicht zukünftiger und rationeller Diagnostik. Arthroskopische Diagnostik des Kiefergelenkes sollte in nur schwierigen Ausnahmefällen vorbehalten bleiben, bei denen auch eine anschließende Operation indiziert ist, da die MRT Diagnostik effizientere Aussagen machen kann.
KN: Welche Befunde hätten Sie nicht ohne MRT erheben können und welche Konsequenzen hätte dies für den
Patienten gehabt?
Dr. Polzar: Die MRT Diagnostik stellt eine forensische Komponente (um den Behandler zu schützen und auch in
letzter eine Konsequenz für eine ausführende Behandlung.
Totale Diskusverlagerung ohne Reposition können mit der MFD nicht diagnostiziert werden, erreicht der Behandler eine Zurückführung in eine partielle Diskusverlagerung mit Reposition, so hat er für
den Pat. im Prinzip was Gutes bewirkt, da z.B. eine dorso craniale Kompression des Condylus aufgehoben wurde und somit die nutritiven Versorgungswege des KG von dem vormals vorhandenen Engpass befreit wurde. Der Patient wird
allerdings dann nach erfolgter Therapie ein Kiefergelenksknacken vernehmen und unter Umständen dem Zahnarzt vorwerfen er habe falsch behandelt. Da jetzt ja was knackt und vorher nichts zu hören war. Nur mit der MRT Diagnostik
können in gesicherter Weise totale Diskusverlagerungen ohne Reposition sowie craniale oder dorsale Gelenkkompressionen ( pathologische dorsale Lage des UK ) diagnostiziert werden. Für die Einstellung einer neuen Bisslage und
Bisshöhe bei prothethischer oder kieferorthopädischer Behandlung ist die Kenntnis über pathologische Kiefergelenksstrukturen somit für den gewissenhaftenden arbeitenden Kollegen von immanenter Bedeutung. Spezialbefunde wie
Kiefergelenksknacken, die bei totaler anteriorer ohne Reposition durch das falten eines frakturierten Diskus entstehen sowie Gelenkschondrosen die nach entzündlichen Prozessen entstehen können, sind alleine durch die manuelle
Funktionsdiagnostik nicht einzuordnen und bedürfen einer MRT Kontrolle.
KN: Welchen Nebenwirkungen haben Sie bei Anwendungen des MRT von den
behandelnden Ärzten und von den Patienten erfahren? Welche Gefährdungsgrade bestehen?
Dr. Polzar: Die MRT Aufnahmen haben nach den heutigen wissenschaftlichen Erkenntnissen keinerlei Nebenwirkung bzw.
sind nicht bekannt. Im Prinzip kann bei jedem Patienten., der nicht über einen Herzschrittmacher eine MRT-Aufnahme des KG erfolgen. Zur besseren Verstärkung des Kontrastes zwischen gut durchbluteten und weniger durchblutenden
Gewebe wird bei Erwachsenenpatienten die intravenöse Verabreichung von Gadolinium (eine seltene Erde, die magnetische Eigenschaften besitzt) erfolgen. Claustrophobisch veranlagte Patienten werden mit der lang andauernden
Untersuchung unter Umständen Probleme bekommen. Hier hilft aber eine Sedierung i. v. in der Regel.
KN: Welche finanziellen Belastungen entstehen für den Patienten und wie häufig sollte eine Kontroll - MRT
gemacht werden? Welche Mindestabstände sind einzuhalten?
Dr. Polzar: Bisher tragen die gesetzlichen Krankenkassen eine MRT Aufnahme soweit sie von Arzt oder Facharzt als
notwendig verschrieben wird. Das Honorar der Leistung der gesetzlichen Krankenkassen ist für den Radiologen jedoch nicht kostendeckend. Privatpatienten werden gemäß der GOÄ abgerechnet und die Vergütung entspricht bei weitem
nicht dem Leistungs- und Kostenaufwand. Hierüber kann diskutiert werden, ob das der richtige Weg in unserem Gesundheitswesen ist, das Privatpatienten dafür sorgen , dass auch gesetzliche Versicherten Patienten der Zugang zu
hochwertigen, modernen Diagnoseverfahren gewährt wird. Die privaten Krankenkassen zahlen in aller Regel die vollen Kosten der sehr aufwendigen Kiefergelenksaufnahme.
Eine MRT Diagnostik sollte immer erfolgen, wenn ein begründeter Verdacht craniomandibulärer Dysfunktion besteht und der Behandler größere prothetische oder auch kieferorthopädische Maßnahmen plant.
Nach erfolgter Therapie ist eine Kontroll - MRT (hierbei kann auf die Videosequenzen verzichtet werden ) indiziert.
Einen Mindestabstand für Kontroll-MRT gibt es nicht.
KN: Bei welchen klinischen Befunden halten Sie die MRT bei Kiefergelenkspatienten für unverzichtbar?
Dr. Polzar: Bei jedem KG Pat. Ist eine MRT Diagnostik unverzichtbar. Gibt ein Pat. CMD Störungen an oder werden
diese diagnostiziert so ist eine MRT Diagnostik erforderlich. Die manuelle Funktionsdiagnostik dient lediglich dem herausfiltern der Pat., die eine CMD Störung haben, denn häufig werden von dem behandelnden Arzt solche
Störungen übersehen und der Pat. beschwert sich nach Abschluss der
erfolgreichenden Therapie über craniomandibuläre Störungen die dem Patienten vielleicht erst durch seine erhöhte Aufmerksamkeit (nach 10 Implantaten, kieferorthopädischer, kieferchirurgischer Rekonstruktion...) auffallen. Hier ist eine forensische Absicherung mit indizieller und auffälligen Befunden von unschätzbaren Wert.
KN: Welche Alternativen zur MRT sehen Sie, um zu fast gleichen Aussagen zu kommen?
Dr. Polzar: Es gibt keine Alternativen.
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